Mazlum Eigenmann's Blog

Zum Glück gezwungen

18

Juni

 


Chinas Regierung hat die Zeichen der Zeit erkannt und forciert ihre Bemühungen in Sachen Nachhaltigkeit.

 

Zu viele Unternehmen verstehen noch nicht, wie der Klimawandel ihre Geschäftsaktivitäten beeinflussen könnte. Die Pflicht, Kennzahlen für den Bereich Nachhaltigkeit zu veröffentlichen, könnte nachhelfen.

2017 verursachten Naturkatastrophen in Europa Schäden in Höhe von rund 283 Milliarden Euro. Waren bisher nur circa fünf Prozent aller EU-Bürger zum Beispiel von Sturm, Hitze oder Unwetter betroffen, könnten es aufgrund des Klimawandels bis ins Jahr 2100 rund zwei Drittel sein. Auch Unternehmen bekommen die massive Zunahme an wetterbedingten Katastrophen zu spüren. Diese Unwetter verursachen zusätzliche Kosten und müssen durch die Unternehmen getragen werden. Nicht nur wirtschaftliche Kosten nehmen zu, sondern auch gesellschaftliche Kosten, wie beispielsweise erhöhte Todesfälle aufgrund von Hitzewellen oder Überschwemmungen.

Viele Unternehmen, auch zahlreiche Finanzinstitute, erkennen diese Herausforderungen leider noch nicht. Sie verstehen nicht, dass der Klimawandel ihre Geschäftsaktivitäten negativ beeinflussen könnte und können das Problem daher auch nicht adressieren. Die Pflicht zur Berichterstattung von nicht-finanziellen Kennzahlen könnte sie zum Umdenken anregen.

 

Eine Handvoll EU-Richtlinien

Seit 2017 sind börsennotierte Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten sowie Unternehmen von öffentlichem Interesse in der EU verpflichtet, nicht-finanzielle Kennzahlen zu veröffentlichen. Das heisst, sie müssen Auskunft zu sozialen, umweltrelevanten und Governance-Themen geben. Diese EU-Richtlinie wird im Sommer 2019 mit einem Zusatz ergänzt, der Anforderungen in Bezug auf klimarelevante Informationen enthält. So müssen Unternehmen ab ca. 2021 auch finanzielle Risiken ausweisen, die sich durch den Klimawandel sowie andere Umwelt- und soziale Probleme ergeben. In einer ersten Phase soll diese Berichterstattung freiwillig sein, über die Zeit hinweg aber verpflichtend werden.

Auch der im März 2018 publizierte Aktionsplan zur „Finanzierung nachhaltigen Wachstums“, mit dem die EU Kapital in Richtung nachhaltige Investments leiten möchte, beinhaltet Vorgaben zur Offenlegung von Nachhaltigkeitsinformationen und zur Rechnungslegung. Zudem sieht er vor, die Aufsichtsvorschriften zu verschärfen. Nachhaltigkeitsaspekte sollen beispielsweise ins Risikomanagement und bei Kapitalanforderungen von Banken integriert werden.

Die EU verfolgt mit diesen Massnahmen ein klares Ziel: Sie möchte mehr Transparenz in die Geschäftsabläufe bringen und den Fokus der Unternehmen von der reinen Gewinnmaximierung hin zu einem nachhaltigeren und verantwortungsvolleren Wirtschaften lenken. Ebenfalls soll anhand dieser Informationen der Investitionsentscheid leichter fallen. Doch damit Kapital effizient in nachhaltige Lösungen investiert werden kann, ist es notwendig, dass Unternehmen qualitativ hochwertige und vergleichbare Nachhaltigkeitsinformationen ausweisen und Risiken richtig einschätzen. Gerade bei klimarelevanten Informationen erweist sich dies noch als schwierig.

Ein Leitfaden zur Berichterstattung

Das Financial Stability Board hat Anfang 2016 die Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) eingesetzt, um Finanzinstituten und Unternehmen ein Instrument an die Hand zu geben, wie sie klimarelevante finanzielle Risiken beurteilen und in der Folge minimieren können. Im Sommer 2017 publizierte die TCFD ein Set an Empfehlungen, mit dem klimarelevante Risiken mittels Szenarien aufgedeckt, vermindert und solche Themen auf strategischer Ebene angegangen werden können. Die Empfehlungen der TCFD bei der Berichterstattung von finanziell materiellen klimarelevanten Informationen sind heute auf breiter Ebene anerkannt.

Im Mai 2019 hat die TCFD nun einen Leitfaden veröffentlicht, der Unternehmen und Investoren noch besser dabei unterstützen soll, Szenario-Analysen zu entwickeln und gemäss den Empfehlungen der TCFD Nachhaltigkeitsinformationen im Rahmen der nicht-finanziellen Berichterstattung auszuweisen.

Ziel ist es, dass Unternehmen ein besseres Verständnis von klimarelevanten Risiken und Chancen erhalten und diese Themen ins Risikomanagement integrieren sowie bei der strategischen Planung berücksichtigen. Unternehmen könnten so zum Beispiel von geringeren Kapitalkosten profitieren, wenn sie dadurch ein höheres Kreditrating und eine bessere Kreditfähigkeit für Bankdarlehen erhalten. Ebenfalls wird sich die Berichterstattung entsprechend auf die Reputation auswirken.

 

Die LGT berichtet seit 2012

Auch die LGT mit Hauptsitz im EWR-Staat Liechtenstein ist verpflichtet, nicht-finanzielle Kennzahlen zu veröffentlichen. Seit 2012 publizieren wir im Zweijahres-Rhythmus einen Nachhaltigkeitsbericht, in dem wir transparent über unsere Meilensteine in diesem Bereich informieren.

Dieses Jahr stellen wir in unserem Nachhaltigkeitsbericht unter anderem unsere neue Nachhaltigkeitsstrategie 2025 vor. Um Nachhaltigkeit noch stärker im Unternehmen zu verankern, haben wir uns letztes Jahr neue Ziele gesetzt, die wir bis 2025 erreichen wollen. Die Strategie hilft, das Thema noch systematischer anzugehen und Nachhaltigkeit in alle Unternehmensentscheide einfliessen zu lassen. Im Zuge der Strategiedefinition haben wir auch die Governance-Struktur im Bereich Nachhaltigkeit geschärft. Den Vorsitz unseres Sustainability Boards hat nun S.D. Prinz Max von und zu Liechtenstein, CEO LGT und Mitglied der Eigentümerfamilie, inne.

In Zukunft wollen wir jährlich über unsere Fortschritte berichten. Wir werden uns in diesem Jahr zudem mit den Empfehlungen der TCFD auseinandersetzen und Szenarien erstellen, wie wir als Unternehmen durch klima-relevante finanzielle Risiken betroffen sind.

Lesen Sie hier, welche Ziele wir uns gesetzt haben.

 

Der Beitrag Zum Glück gezwungen erschien zuerst auf marketing.ch.

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